ÖEV - Österreichische Endometriose Vereinigung

 

Medizinische Hypnose

Information zur Verfügung gestellt von Dr. Andreas Nather vom Institut Woman & Health (www.womandandhealth.at)

Die medizinische Hypnose macht sich das Absenken des Bewusstseins und das Hineinführen in einen veränderten Bewusstseinszustand zu Nutze. Denn in diesem Bewusstseinszustand kann der Schmerz ausgeschaltet werden. "So wird eine Art alternativer Wirklichkeit etabliert, um in dieser die Aufhebung von Symptomen so lange und intensiv zu erleben, bis diese hypnotisch imaginierte Wirklichkeit Teil des normalen Lebens wird", erklärt Frauenarzt und Hypnosespezialist Andreas Nather von Woman&Health. Dazu gehören Übungen, wie etwa dem Schmerz eine Farbe zu geben ­ zum Beispiel glühendes knallrot ­ und diese dann in ein kühlendes, als angenehm wahrgenommenes Blau umzuwandeln.
Die medizinische Hypnose sieht den Patienten als Kooperationspartner und aktiven Gestalter seiner Trance-Prozesse. Hypnotisieren lässt sich übrigens fast jeder, wichtig ist jedoch die Bereitschaft mitzumachen.
Medizinische Hypnose kann in Einzelsitzungen oder in Gruppen durchgeführt werden. Die Anleitung zur Selbsthypnose ermöglicht dem Patienten sich außerhalb oder nach einer Therapie selbst weiter zu helfen und die Eindrücke zu vertiefen.
Einsatzgebiete: Alle chronischen Schmerzzustände.

Was ist medizinische Hypnose?

Während man im normalen Bewusstseinszustand immer verschiedene Reize gleichzeitig wahrnimmt, ist in Hypnose oder Trance die gesamte Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Sache fokussiert, so dass die Eindrücke der Umgebung mehr oder weniger in den Hintergrund treten. Etwas "wie in Trance" zu tun, ist ein ganz alltäglicher Zustand, den man z. B. beim Joggen, beim Lesen eines spannenden Buches oder bei einer konzentrierten Arbeit erleben kann. Bei der medizinischen oder psychotherapeutischen Anwendung wird diese Fähigkeit zur "Alltagstrance" sehr stark und so gezielt gefördert, dass sie zur Lösung körperlicher und/oder seelischer Probleme eingesetzt werden kann. Wichtig ist, dass in eine Trance zu gehen und wieder aus ihr herauszukommen ein vollkommen freiwilliger Vorgang ist, bei dem der eigene Wille, etwas zu tun oder nicht zu tun, in keiner Weise eingeschränkt ist.

Was zeichnet den hypnotischen Trancezustand aus?

Im Unterschied zum Wachzustand ist das Erleben des Patienten in einer hypnotischen Trance bildhaft, traumartig. Durch die fokussierte, nach Innen gerichtete Aufmerksamkeit ist er empfänglicher für die bildhafte, symbolische Sprache der Suggestion, für Vergleiche, Märchen und Analogien. Der Therapeut kann durch Suggestionen und Metaphern der inneren Realität des Patienten Impulse geben. Die äußere Realität tritt für den Patienten in den Hintergrund. Dieser Zustand lässt sich mit Tagträumen, Meditation oder tief versunkenem Lesen vergleichen.

In Trance ist die unterschwellige Wahrnehmung geschärft. Auch im Wachzustand nimmt der Mensch viel mehr Informationen auf, als in sein Bewusstsein eindringen. Wir sind zum Beispiel auf einer Party in der Lage, uns auf ein Gespräch mit einer bestimmten Person zu konzentrieren. Fällt jedoch in der Nähe der eigene Name, horchen wir sofort auf. In der Hypnose wird mit solchen unbewussten Kommunikationsformen gezielt gearbeitet.

Ein weiteres Phänomen der hypnotischen Trance sind "dissoziative" Prozesse. Beispielsweise führt der Patient eine Bewegung unabhängig von seiner bewussten Wahrnehmung aus, es hebt sich etwa auf eine Frage des Therapeuten wie von selbst ein Finger. Diese sogennanten ideomotorischen Bewegungen nützt die medizinische Hypnose im Dialog mit dem Unterbewussten. Die Ericson'sche Hypnose sieht den Patienten als Kooperationspartner und aktiven Gestalter seiner Trance-Prozesse. Es geht nicht darum, den Patienten zu manipulieren, sondern ihm Möglichkeiten zu eröffnen, latente Fähigkeiten nutzbar zu machen.

Physiologische Veränderungen unter Hypnose

Zahlreiche Studien belegen physiologische Veränderungen während des Trancezustandes. Dazu zählen die Erniedrigung von Muskelspannung, Herzfrequenz und Blutdruck, eine regelmäßigere und langsamere Atmung, eine veränderte Aktivierung bestimmter Hirnareale, eine Abnahme des Stresshormonspiegels, Veränderungen im Blutbild sowie eine geringere Aktivierbarkeit von Reflexen.

Hypnose ist in der Lage, physiologische Stressreaktionen zu beeinflussen. Dadurch stellt sie eine wirksame Behandlung bei Erkrankungen dar, die durch psychische Belastung verursacht oder beeinflusst werden.

Die mit medizinischer Hypnose zu erzielende Analgesie oder Anästhesie eröffnet interessante Einsatzmöglichkeit bei schmerzhaften Behandlungen, bei kleineren operativen Eingriffen oder auch als Alternative in der Behandlung chronischer Schmerzzustände.

Einsatzgebiete der medizinischen Hypnose

In zahlreichen internationalen Publikationen zur Wirksamkeit der medizinischen Hypnose werden das breite Anwendungsspektrum und die vielfältigen Möglichkeiten im medizinischen und psychotherapeutischen Bereich deutlich.

In der Medizin kann medizinische Hypnose als Hilfe bei der Durchführung unangenehmer Untersuchungen (z. B. Magen-Darmspiegelungen, MRT), zur Narkosevorbereitung, zur Schmerzreduktion oder einfach zur Entspannung vor und während chirurgischer Eingriffe eingesetzt werden, weiters zur Unterstützung des Heilungsprozesses und der Befindlichkeit nach Operationen . Ein weites Betätigungsfeld ergibt sich für die Hypnose einerseits in der Behandlung eher psychosomatischer Beschwerden (z.B. Reizdarm), andererseits bei Blut-Hochdruck, Neurodermitis, Allergien oder nicht-organischen sexuellen Funktionsstörungen . Hilfreich ist medizinische Hypnose zur Reduktion von Übelkeit, Erbrechen und anderen Nebenwirkungen bei Chemotherapie. Sehr gut belegt ist die Wirksamkeit von Hypnose bei Kopfschmerzen und Migräne . Interessant ist der Einsatz von Trancen in der Geburtsvorbereitung sowie bei der Geburt zur Schmerzreduktion und Entspannung.

Besonders auch als Alternative in der Therapie chronischer Schmerzzustände, aber auch als begleitende Hilfe bei Krebserkrankungen ist die medizinische Hypnose einsetzbar. Letztlich können manche Verhaltensstörungen wie z.B. Eß- und Schlafstörungen oder das Rauchen, weiters Ängste und Phobien mit Hypnose erfolgreich behandelt werden.

In der Zahnmedizin: zum Abbau von Ängsten um insbesondere lange Behandlungen angenehmer zu machen zur schmerzarmen oder sogar schmerzfreien Behandlung auch ohne Spritze als begleitende Maßnahme bei Verspannungen der Kaumuskulatur sowie schmerzhaften Kiefergelenkserkrankungen um eine Behandlung auch bei starkem Würgereiz zu ermöglichen.

Wie wirkt Hypnose?
Bei der Einleitung einer Trance wird die Aufmerksamkeit weg von äußeren Reizen hin auf ein inneres Erleben gelenkt. Hierbei kommt es in der Regel zunächst zu einer körperlichen Entspannung mit Verlangsamung von Atmung und Herzfrequenz. Hypnose ist dabei kein schematisches "Entspannungsprogramm", sondern hat für jeden Menschen eine individuelle Wirkungsweise, die es jedem Menschen auf seine eigene Art ermöglicht, den Blick auf sein inneres Erleben zu richten. Geht es im Wesentlichen darum, eine normalerweise eher unangenehme Untersuchung oder Behandlung angenehmer zu machen, so wird das innere Ziel dieser Aufmerksamkeit ein positives und angenehmes sein, das im allgemeinen im voraus vom Patienten selbst bestimmt wird (z.B. Safe Place, oder eine schöne Urlaubserfahrung). Je wirklicher ein Patient dann dieses innere Erleben erfährt, desto mehr rückt die äußere Wirklichkeit in den Hintergrund. Hypnose hilft hier also dabei die Fähigkeit zu entwickeln, sich in eigener Verantwortung bei unterschiedlichen ärztlichen Maßnahmen entspannt und zufrieden wahrzunehmen.

Zur Symptomkontrolle mit Hilfe von medizinischer Hypnose wird eine Art "alternativer Wirklichkeit" etabliert, um in dieser die Veränderung oder völlige Aufhebung von Symptomen so lange und intensiv zu erleben, bis diese hypnotisch imaginierte Wirklichkeit Teil des normalen Lebens wird. Zur kausalen Behandlung mittels Altersregression ist das Widererleben einer problematischen Vergangenheit - so als würde es jetzt passieren - von Bedeutung. So können vergessene oder verdrängte Inhalte wieder erinnert, aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und schließlich mit einer anderen Bedeutung versehen oder mit einem anderen, heute angemessenen Gefühl empfunden werden. Die Zukunftsprogression eröffnet die Möglichkeit, ein zukünftiges Leben ohne die betreffenden Symptome, oder das störende Verhalten zu erkunden.

 

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